Der Weg ruft

 

Eigentlich erzähle ich hier auf ultramaedchen.at relativ wenig über meine Zeit auf dem spanischen Jakobsweg. Es war für mich eine sehr schöne Zeit und hat mich persönlich weiter gebracht, als die paar hundert Kilometer bis Santiago.

Auf meinem Weg zum Büro komme ich oft an dieser Stelle vorbei, wo neben der Straße diese kleinen gelben Aufkleber zu sehen sind. Hier eine Muschel, da ein gelber Pfeil und mein Kopf erinnert sich jedes Mal an die guten und verdammt schmerzhaften Momente. Blasenpflaser, Tape, Sonnencrem und diese krass süßen Orangen.

Seit 2015 geht mir der Weg nicht mehr aus dem Kopf und ich will irgendwann wieder zurück. Damals habe ich leider nur ein sehr kleines Stück gehen können, weil ich mir die Zeit nicht nehmen konnte/wollte. So war ich knapp 320km in 2 Wochen unterwegs, habe viele liebe Menschen und vor allem mich kennengelernt. Ich bin damals mit einem etwas zu schwerem Rucksack und einem riesigen Pack Fragen losgegangen.

Angekommen in Santiago waren die ganzen Frage noch da. Keine einzige wurde beantwortet. Ein bissl enttäuscht saß ich dann am Flughafen und wartete auf meinen Flug von Santiago nach Palma de Mallorca (mein größer Fehler übrigens). Angekommen in Palma zwischen all den schnellen, lauten, dummen und viel zu vielen Menschen war ich dann zum ersten Mal auf dieser Reise alleine. Ich fühle mich zum allerersten Mal fehl am Platz.

Und da wurde mir klar was ich gelernt habe und diese – nennen wir es mal Erkenntnis – hat mich seither bei allen Entscheidungen und Hürden begleitet. Ich habe ein gutes Gefühl Entscheidungen zu treffen, wenn ich mich auf meinen Bauch verlasse.

Ja, und nun haben wir es 2017. Vor 2 Jahren bin ich gepilgert – ohne religiösem Grund. Warum ich das wirklich gemacht habe, weiß ich nicht. Irgendwie war der Floh schon ziemlich lange in meinem Kopf. Es muss doch einen Grund geben, warum Menschen aus aller Herren Länder zu dieser Kathedrale in Spanien rennen – ganz egal wie große die Strapazen sind, welche Schmerzen sie ertragen müssen und wie stark sie sich dabei verändern. Ich glaube an keine Wunder, Götter oder Hokuspokus, aber ich habe gelernt dass „halt“ rufen, aussteigen und eine Zeit lang etwas anderes tun, sehr viel mehr Klarheit bringt als man denkt.

Und jeden Tag an dem ich an diesen kleinen gelben Aufklebern vorbei fahre, denke ich wieder zurück und auch nach vorne. Eins steht fest: Ich werde wieder gehen. Vielleicht schenke ich mir in 2 Jahren zum Geburtstag ein Zeitpölsterchen, das mich 1000, 2000 oder nur 300 km weit bringt.

#buencamino

 

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