Besteigung Grossglockner Normalweg 09/2016

„It is not the mountain we conquer, but ourselves.“ Oft zitiert, aber so wahr. Jeder Berg lehrt dich ein Stückerl mehr über dich selbst.

Was und wie mir der Glockner gezeigt hat wer ich bin.

davor

Zu den meisten Bergen gibt es online zig Videos von der Besteigung bzw den aktuellen Verhältnissen und viele Tipps und Erfahrungsberichte dazu. So auch zum Glockner. Wenn man schon Sorgen wegen der Höhenangst hat, dann will man zumindest wissen auf was man sich einlässt. Also hab ich alles gelesen und mir jedes Video dazu angesehen. Resultat: schwitzige Hände und ein beunruhigendes Brummeln im Bauch. Zum Glück konnte ich mit meinem Bergführer telefonieren und er hat mich beruhigt, die Perspektive und das Objektiv würde die Steigung und die abschüssigen Kanten nur verstärken, es ist alles halb so wild, des pack Ma schon. Auf gut deutsch wollte er mir damit sogen „Mädl, scheiss di ned an! “

Daraus hat sich mein Motto für die kommenden Tage entwickelt: „schau ma moi, dann seh’g mas scho.“

Mit dem unguten Gefühl im Bauch und dem Wissen, dass das schon iiiirgendwie wird, habe ich meinen Rucksack gepackt. Eigentlich hab ich die Sachen von der Venediger Tour genommen und ein bisschen angepasst:

  • Lange Hose (Mammut)
  • Kurze Skinfit Hose  – Dafür habe ich die abzipp Hose von salewa zuhause gelassen.
  • Ein T-Shirt extra
  • Wärme Handschuhe
  • Helm

Tag 1

Die Anreise verlief relativ ruhig. Immer wieder kam mir der „warum mach ich das überhaupt“- Gedanke, aber ich blieb motiviert und dachte immer wieder an mein Motto. Eine sehr positive Überraschung war die Passstraße zum Lucknerhaus. Bei Kaiserwetter war es eine richtig Freude die etwa 7km Lange Straße hinauf zufahren. Die Gegend ist wirklich schön ländlich und auch für nicht-Bergsteiger sehenswert.

Dort am Parkplatz (das Parken dort ist übrigens kostenlos möglich) angekommen wurde ich vom Bergführer Michael begrüßt und nach einem kurzen Equipment-Check ging es auch schon los. Mit von der Partie waren noch 2 Männer, die auch über das Gewinnspiel zum Glockner kamen.

Unser Ziel am ersten Tag war die Stüdlhütte, die über einen einfachen Wanderweg in ca 2-3 Stunden erreichbar ist. Wer es bequemer möchte, kann seinen Rucksack mit der Materialseilbahn raufschicken – gehen muss man aber selbst.


Die Stüdlhütte bietet ein Wahnsinns Abendessen in Buffetform, was mehr an ein Wellnesshotel erinnert als an eine Berghütte auf 2.803 hm. Bei uns gab es 2 verschiedene Suppen, ein großes Salatangebot inkl Antipasti und 3 Hauptspeisen zur Auswahl (Fisch, Fleisch, Nudeln). Danach könnte man sich an der Käseplatte oder bei Obst und Kuchen bedienen. Die Qualität war sehr gut und alles war frisch. Durch die Materialseilbahn haben die Köche auf der Stüdlhütte natürlich einen Vorteil im Vergleich zu Hütten, die per Helikopter beliefert werden.

Mit vollem Bauch ging’s dann ins Lager (das ist wie auf allen Hütten, also unbedingt einen kleinen Schlafsack mitnehmen). Es war in unserem Zimmer relativ laut. Manche haben sich entschieden gegen Mitternacht die Rucksäcke umzupacken, andere kamen erst später ins Bett und leuchteten den gesamten Raum mit ihren Stirnlampen aus und wieder anderen brachen bereits um 3 Uhr Richtung Gipfel auf. Ich habe mich einfach in meinen Kopfpolster vergraben und „alles über mich ergehen lassen“.

Tag 2

Um 4:40 klingelte mein Wecker und die meisten in meinem Zimmer waren bereits wach und packten ihre sieben Sachen zusammen. Eine Sache habe ich am Jakobsweg gelernt und werde ich wohl so schnell nicht verlernen: Rucksack-packen! In ein paar Minuten war ich fertig und am Weg zum Frühstück. Auch das war sehr lecker und abwechslungsreich.

Bewaffnet mit Gurt und Stirnlampe gingen wir um etwa 5:45 los. Nach etwa 30-45 min erreichten wir die Gletscherzunge und seilten uns an.


Kurz darauf kamen zur ersten „Kraxelpassage“. Anfangs ging das klettern mit Steigeisen nicht so gut. Ich hatte noch kein Vertrauen zum Material und außerdem war ich auch noch leicht schlaftrunken. Michael, der Bergführer, gab uns hilfreiche Tipps und zeigte uns den einfachsten Weg durch die Felsen. Da kamen uns schon die ersten Bergsteiger wieder entgegen. Sie haben den Sonnenaufgang am Gipfel erlebt. Das muss unbeschreiblich schön sein, wenngleich man vorher den Grat in absoluter Dunkelheit klettern muss.

Das erste Kletterstück konnten wir nach einigen Minuten hinter uns lassen. Es war nicht sehr schwer und ich hatte nie das Gefühl unsicher zu sein. An vielen Stellen sind Stahlseile bzw. Pfosten zum Festhalten.

Meine Kollegen kämpften schon etwas. Einer mit Blasen und der andere mit seiner Kondition. Leider muss man sagen sind beide selbst schuld. Wer sich Schuhe ausleiht und diese nicht einmal vorher einträgt und dann auch noch nigelnagelneue Socken dazu anzieht, der bekommt garantiert Blasen. Der zweite Mann hat am Abend bevor es los ging etwas zu lange gefeiert. Tja, was soll ich sagen ^^. Das Blasen-Problem konnten wir auf der Erzherzog-Johann-Hütte mit viel Tape in den Griff bekommen, aber der zweite Kollege entschied sich auf der Hütte zu warten.


Die Erzherzog-Johann-Hütte liegt auf 3.400 hm und ist die letzte Einkehrmöglichkeit. Die Entscheidung hier zu bleiben war bestimmt die richtige. Es gehört eine Menge Mut dazu zu sagen „es reicht für mich hier“. Auf Zwang weitergehen macht in solchen Höhen keinen Sinn und gefährdet nicht nur einen selbst, sondern auch alle anderen. Der Grossglockner läuft nicht weg, der wird auch in ein paar Jahren immer noch über Österreich thronen.

Nach einer kurzen Stärkung ging es also zu dritt weiter. Kurz nach der Hütte steigt man ins bis zu 40 Grad steile Glocknerleitl ein. Je nach Wetterlage kann man hier von blankem Eis über Schnee bis hinzu Schotter alles sehen. Bei uns gab’s eine Schotter-Eis-Mischung durchzogen mit kleinen Bächen. Bisher bin ich noch nie in so steilem Gelände mit Steigeisen gegangen, aber es ging ganz gut. Bei der ersten Kletterei vor der Hütte habe ich vertrauen zu meinen Krallen gefunden und habe sie immer eingesetzt.

Oben am Ausstieg angekommen haben wir Steigeisen und Pickel abgelegt. Der gesamte Grat war schnee- und eisfrei. Und jetzt begann das, wovor ich mich immer gefürchtet habe, aber Michael lies mir keine Wahl. Er legte ein gutes Tempo vor, kletterte einige Meter rauf, sicherte uns und wir musste nachklettern. Zeit zum Angst-haben gab es keine. Ich war zwischenzeitlich total perplex, als ich nach einem kleinen Blick realisierte wo ich gerade stehe. Mein Kopf dachte nur mehr „Herrgott im Himmel, warum mache ich das„. Ich stand am Kleinglockner und hatte bereits ein gutes Stück des Grates geschafft. Zum Glück hatte ich meine Sonnenbrille auf, sonst hätten alle gemerkt, wie mir die Tränen vor Freude runter gekullert sind. Die größte Herausforderung war die Scharte zwischen Klein- und Großglockner ein kleines aber sehr heikles Stück – besonders für so Angsthasen wie für mich. Und da waren sie auf einmal: viele, ganz liebe Menschen, die mir ihre Hände reichten und mir so das weiter gehen ermöglichten. Jetzt spielte die Angst mit. Ich fühlte mich zittrig, nicht unsicher, aber meine Beine haben’s da wohl überrissen, dass es kein zurück mehr gibt. Dank vieler helfender Hände und dem einen oder anderen guten Zuspruch habe ich es dann irgendwie rauf geschafft. Und dann stehst zu da, am höchsten Punkt Österreichs und genießt nur.

Der Himmel war blau, meine Beine weich und mein Kopf frei.


Wir hatten dann leider nicht sehr viel Zeit, weil viele andere Seilschaften am Weg hinauf waren. Daher sollten wir nach ein paar Minuten wieder absteigen.

Haha! Absteigen. Da runter? Ich? 

Ja! Und es ging ziemlich leicht. Michael war hinter uns um uns zu sichern und wir kraxelten runter. Ok, elegant ist was anderes, aber auch übern Hintern runterrutschen bringt einen zurück zur Hütte – und zwar sicher!


Der Abstieg war dann ein Klax 🙂 Gestärkt mit Kaspressknödelsuppe und Schiwasser ging’s zur Stüdlhütte, wo wir noch einige Sachen deponierten. Ich hab mich dort noch umgezogen und die letzten Kilometer zum Auto waren easy.

In meinem Bauch war eine wohlig warme Mischung aus Knödel, Suppe und Glücksgefühlen.

Bei der Heimfahrt kam dann was unvermeidbar war: der Gefühlsausbruch. Nach dem Felbertauern musste ich dann mal rechts ran fahren, die Taschentücher auspacken und kräftig losheulen. Das war dann der Moment, wo ich realisierte, dass ich mein großes Ziel erreicht habe. Wenn ich jetzt diese Zeilen tippe und mich an den Tag erinnere, bin ich immer noch ganz wuschi.
Jetzt bleibt nur mehr eins übrig: Danke zu sagen! Sport2000 und Mammut haben mir den Trip und die nötige Ausrüstung zur Verfügung gestellt und mir damit geholfen, den Berg meiner Träume zu besteigen. Großen Dank gilt Michael, der mich an der richtigen Stelle gepackt und so meine Angst ausgetrixt hat. Und natürlich den vielen helfenden Händen.

Außerdem danke an alle, die mich die Tage davor ausgehalten haben, mir gut zuredeten und meine regelmäßigen panischen 10 Minuten miterleben mussten!

Ich werde wohl die nächsten Tage nur noch davon sprechen und ewig in Erinnerung an die Momente am Großglockner schwelgen. Danke!

2 Replies to “Besteigung Grossglockner Normalweg 09/2016”

  1. Gratulation! Der Glockner ist immer etwas besonderes und verliert auch nach mehrfacher Besteigung nie seinen Reiz! Weiter so!

    LG Sabrina

  2. Tolle Bericht! Ich war auch hoch am Großglockner am 14. September, aber erst am nachmittag Gipfelsieg mit sehr wenig los und Übernachtung auf der Adlersruhe. Kaiserwetter, super Hochtour, tip top. Erste mal für mich auch dort und ein großes Ziel, und will sicher nochmal den Glockner besteigen. Aber, die Probleme ist, was kommt danach? Ich hab der König Ortler gedacht. Ein bisschen mehr Anspruchsvoll als der Glockner, aber noch nicht extrem. Was hast du geplant? Grüße aus Finnland! 😉

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