Schmerzmitteln am Berg 

Eigentlich sollte ich meinen Beitrag zum Großglockner Berglauf schreiben. Was ich in den letzten Tagen gelesen habe bringt mich immer mehr und mehr zum nachdenken.



Doping am Berg

Ich bin zu dieser ganzen Berglauf-Geschichte eigentlich über das Wandern mit meinen Eltern gekommen. Wir waren immer schon draußen, sind von Hütte zu Hütte und von Gipfel zu Gipfel gewandert. Meine Mama kommt von einem Bergbauernhof und mein Vater ist in seinen jungen Jahren oft fünf mal auf den Untersberg hinauf und wieder hinunter (an einem Tag). Und so bin ich auch irgendwie mit der Liebe zu den Bergen und zur Natur aufgewachsen und dafür bin ich auch sehr dankbar. Leistungsdruck oder Schnelligkeit waren nie ein Thema bei uns. Hauptsache draußen sein und Spaß haben.

Irgendwann habe ich dann mit dem Joggen angefangen. Erst mit der Zeit kam ich in den Rhythmus und lernte das Laufen auf der Straße zu genießen. Dann lief ich dann meinen ersten Halbmarathon und das Lauffieber hatte mich richtig gepackt. Ich versuche die Ziele zu erreichen und zu sehen was mein Körper alles schaffen kann. Ich bin kein richtiger Straßenläufer. Ich bin nicht super schnell, aber es macht mir Spaß und ich freue mich über jede Ziellinie über die ich laufen kann. Mit der Zeit fanden dann die Liebe zu den Bergen und der Spaß am Laufen zusammen und so kam ich zum Berglauf. Es ist für mich eine perfekte Kombination und bringt Ruhe und Entspannung aus der Natur sowie Ehrgeiz und auch ein bisschen Leistungsdruck vom Laufen mit. Für mich als Bergsteiger, Wanderer waren Energieriegel, Gels oder Salzkapseln nie ein Thema. Ich hatte immer eine Banane oder ein gekochtes Ei mit und auf der Hütte gab es dann eine Jause. Die Birgit als Läuferin hat sich natürlich schon mit Elektrolytgetränken und Riegeln beschäftigt, aber vertragen tu ich das Zeug sowieso nicht gut. Daher bin ich immer schon beim guten alten Hollersaft, Nüssen und Bananen geblieben.
Ich bin gerne draußen in der Natur und genieße es meine Grenzen zu erfahren. Aber wie kann ich meine Grenzen spüren wenn ich diese mit Schmerzmittel oder sonstigen Pillen manipuliere? Ich persönlich kann mir vorstellen, dass ich gegen Kopfschmerzen mal ein Aspro oder ein Aspirin nehmen würde. Auch wenn ein Wettkampf stattfindet. Aber ich könnte mir nicht vorstellen Schmerzmittel zu nehmen, nur um meine Leistung zu steigern. Klar, nach spätestens 30 km fangen meine Füße an zu brennen wie Hölle. Und klar, wäre es sehr angenehm diese Schmerzen abzustellen und einen Bewerber/Lauf schmerzfrei und schnell beenden zu können. Aber dieses Leiden gehört nun mal dazu und jeder Läufer kennt dieses Gefühl von müden Beinen, Krampf in den Oberschenkeln und schmerzenden Knien.

Online habe ich gelesen, dass sogar bei Amateur-Läufen starke Schmerzmittel genommen werden. Bereits bevor die Schmerzen eintreten oder oft bereits bevor der Bewerb beginnt, nehmen die Teilnehmer hochdosiertes Parkemed oder ähnliches. Was soll ich dann von der Leistung derer halten? Laut der NADA ist zB Parkemed 500 kein Doping und darf vor und während dem Wettkampf verwendet werden. Ich verstehe den Frust, wenn man sich Wochen, Monate oder sogar Jahre lange vorbereitet und dann am Tag X nicht die Leistung abrufen kann (sei es aus Krankheit, Verletzung oder was auch immer). Man möchte in dieser Situation alles tun, um den Sieg oder Erfolg „heim zu bringen“ und nicht als Verlierer dazustehen. Für viele ist es schwieriger zu sagen „das schaffe ich nicht, das ist mir eine Nummer zu groß“ als mit Tabletten und großen Qualen einen Bewerber zu bestreiten.

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Wo ist die Grenze zwischen „schnell a Aspro“ und Doping? Generell haben Schmerzmittel nichts beim Sport verloren.


Wo beginnt für mich persönlich Doping und was ist noch in Ordnung? 

Dazu gibt es eine rechtliche Grundlage, aber jeder muss für sich selbst wissen wie er Bewerbe bestreiten möchte. Was in diesem Zusammenhang noch viel wichtiger ist: Was tue ich da meinem Körper an und kann ich einen Bewerb oder Lauf mit guten gewissen beenden, wenn ich mich und meine Muskeln mit Schmerzmittel betäube?

Bin jeden meiner Verbands Päckchen, die ich beim Laufen, beim Wandern oder auch beim Bergsteigen mit habe, befindet sich ein Blister mit Schmerztabletten. Nicht um diese regelmäßig zu nehmen, sondern um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Es kann vorkommen dass man sich verletzt oder einfach nur einen Sonnenstich bekommt. In diesen Fällen ist man froh Schmerzmittel bei sich zu haben. Jedoch würde das im Wettkampf für mich auch ein DNF bedeuten.

One Reply to “Schmerzmitteln am Berg ”

  1. Schmerzmittel um überhaupt einen Wettkampf starten zu können, sind ein absolutes NoGo… Auch unterwegs sollte das keine Option sein. Schmerzen sind ein Signal des Körpers, das der erfahrene Läufer zu interpretieren weiß! Es gibt den Schmerz, der ‚irgendwie dazugehört‘ und der der einen davon überzeugt, dass es heute nix wird! Letzteren mit Schmerzmitteln zu bekämpfen, ist nicht nur leichtsinnig, sondern schwachsinnig…

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