Bericht mozart 100 2019 | mein erster 100km+ Lauf

mozart100 Ultratrail - es war mir ein Volksfest

Einhundert Kilometer. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und dann waren’s ja doch wirklich 112km und um die 5000hm. Ein Monster wie es im Buche steht, aber: ich hab’s geschafft. Ein wahnsinnig geiles Gefühl. Um ehrlich zu sein, so ganz hab ich’s auch jetzt nach über 2 Wochen noch nicht gecheckt. Ich bin ernsthaft an einem Tag weiter gelaufen als so mancher in der Woche mit‘m Auto fährt.

Schritt für Schritt

Salzburg START | 0 km

Am Start war es schon ziemlich heiß. 26 Grad um 5 Uhr morgens… die erste Härteprobe. Gut vorbereitet mit einer Portion Mut im Gepäck geht’s los. Durch die Stadt und rüber zur Glasenbachklamm.

Glasenbachklamm | 10 km

In der Glasenbachklamm ging’s mir wirklich gut. Mittlerweile liegt mir die Strecke Salzburg > Fuschl und ich kann die Atmosphäre total genießen.

 

Bei der ersten Labe nach der Glasenbachklamm war die Schlage vorm Wasser-Brunnen zu lang. Ich gönn mir nur ein Cola und düse weiter. Immerhin weiß ich, dass vorm Plötzwasserfall noch eine Kneipstation mit Brunnen auf mich wartet.

Hof | 20 km

Irgendwo zwischen dem Plötzwasserfall und Hof passierte es dann… ich verliere eine meiner Soft-Flasks. Ein Horrorszenario: bei 30 Grad und praller Sonne mit nur 500ml. Ich werde sterben. Ganz bestimmt findet man mich als Häufchen Kohle neben dem Trail. Glücklicherweise kann man sich auf die Trailgemeinde verlassen.

Fuschl | 30 km

Beim Checkpoint Fuschl nach ca. 3 Stunden und 30 min hab ich mir dann eine neue Softflask ausgeliehen. Todesängste haben sich aufgelöst. Ich hab ein paar Minuten Pause gemacht und Salzstangerl, Cola und frisches Wasser zu mir genommen. Weiter geht’s.

Winkl | 47 km

Adi (@austrianhiker) meinte, das Stückl zwischen Fuschl und Winkl sei „nicht so tragisch“. Ja, hab ich dann gemerkt. Die leichten Wolken, die uns vor der Sonne geschützt haben, haben sich allmählich aufgelöst. Es wurde brütend heiß und ich war so unendlich froh, als es hinunter Richtung Wolfgangsee gegangen ist. Die Labe in Winkl hab ich ausführlich ausgenutzt und meinen Kopf in den Brunnen gesteckt. Bis hierher ist es mir trotz Hitze erstaunlich gut gegangen. Ich habe mich an meinen „Ernährungsplan“ gehalten: Cola und Salzstangerl bei den Laben und unterwegs alle 30 Min. trinken und Salztabletten.

Schafberg | 50 km

Rauf auf den Schafberg ging’s – um ehrlich zu sein – echt gut. Die Höhenmeter haben sich zwar schon bemerktbar gemacht, aber ich war wirklich erstaunt. Zwei Dosen Cola später gings auch schon wieder runter Richtung See. Wäre da nicht der Falkenstein. Dieser absolut unnötige Anstieg mit all seiner Grausamkeit. Da wurde es riiichtig heiß und ich freute mich schon so sehr auf das frischer Wasser in der kleinen Kapelle. Ein Vorteil, den man als Einheimischer hat 😊

St. Gilgen | 62 km

Unten am See habe ich viele Läufer überholt. Ich konnte erstaunlich gut weiterlaufen. Viele mussten sich bei der Labstation schon geschlagen geben. Dehydriert und komplett erschöpft ist neben mir eine junge Asiatin zusammengebrochen. Ich hab mich strickt an meinen Plan gehalten. Immer trinken, immer Salz- Stangerl oder -tabletten und keine Gelegenheit für Schatten auslassen. Nach einigen Min. Pause ging’s dann auf zum nächsten Monster: das Zwölferhorn.

Zwölferhorn | 68 km

Da kam er dann, mein erster Einbruch. Auf etwa 2/3 des uphills verlies mich die Kraft. Wir gingen alle im Gänsemarsch und um die anderen nicht zu bremsen, hab ich eine kurze Pause auf einem überaus gemütlichen Grasbüschl gemacht. Ein sehr lieber älterer Spanier kam sofort zu mir und hat mich in meinem Elend da hocken gesehen. Er gab mir ein Packerl Süßigkeiten, sowas wie Gelee-Zuckerl. Und siehe da, ein paar Augenblicke später hat mich der Zucker wieder zum Leben erweckt. Mein Held! Leider konnte er nur spanisch und wir konnten uns nicht unterhalten. Schade, aber ich bin ihm sehr dankbar.

Fuschl 2 | 78 km

Am Weg runter nach Fuschl kam dann endlich das lang ersehnte Gewitter mit Hagel und allem was dazugehört. Alle Männer rund um mich sind unter Bäume geflohen, weil ja das böse böse Wetter gekommen ist. Ich hab mir nur gedacht, ihr Weicheier. Von so bisschen Regen und den kleinen Hagelkörnchen ist noch niemand umgekommen. Ich bin dann fröhlich durch den Regen tanzend an allen vorbeigezogen. Hinter mir hab ichs dann schon gehört „die Kleine läuft bei dem Wetter… naja, dann müssen wir auch“. Das war vielleicht eine Genugtuung 😃 Keine Ahnung wie, aber ich konnte immer noch laufen. Ich war selbst von mir überrascht.

In Fuschl bin ich dann in frische Socken und trockene Schuhe gehüpft und bin weitergetrabt.
Mein „Plan im Kopf“ ging nur bis hier her. Was danach passiert, wird schon irgendwie gehen, dachte ich. Ein schlechter Plan und das musste ich auch die letzten 30 km ausbaden.

Hof | 88 km

Ok, bis Hof ging es einigermaßen, aber meine Beine waren schon ziiiemlich kO. Ich fühlte mich so unendlich leer, kaputt und tapsig. Im Nachhinein hätte ich einfach mal was gescheites Essen sollen. Wer sich 80km lang nur von Soletti, Cola und Salztabletten ernährt braucht auch mal was richtiges. Aber soweit war mein Schädel nicht mehr. Beim Verlassen der Labe in Hof war ich trotzdem noch guter Dinge. Hätte ich gewusst, dass es so hart wird auf den nächsten 10 km, ich glaube ich wäre nicht mehr weiter. Aber vorher weiß man’s nicht und so bin ich weitergelaufen.

Bis nach Koppl war es einfach nur eine Qual. Meine Beine wollte nicht mehr, mein Kopf war leer. Ich fühlte mich wie besoffen und konnte meine Beinchen gar nicht mehr richtig ansteuern. Ein ganz fürchterlicher Zustand. Zum Glück sind Gerald und Max immer in meiner Nähe und stehen immer wieder mit dem Auto an der Strecke. Leider dürfen sie mir nicht helfen. So eine Packung Schokolade hätte mich schon wieder auf Vordermann gebracht. Der Weg wollte kein Ende nehmen und diese deppade Lade war nicht in Sicht. Boah, ich war vielleicht müde. Jeder noch so spitze Stein hat für mich wie ein Sofa ausgesehen. Immer wieder musste ich mich hinsetzen.

Koppl | 97 km

Endlich hab ich dann die Labe erreicht. Gerald und Max waren schon da und stolz hab ich ihnen erzählt: Ich bleib hier. Ich kann nicht mehr. Kurz darauf saß ich bibbernd auf dem Boden und bin fast eingeschlafen. 

Die Jungs haben mich dann überredet, dass ich mich doch ins warme Auto setzen sollte. Dort hab ich dann einige Minuten geschlafen und mich aufgewärmt. Ein guter Liter Cola ging auch noch in mich rein. Und siehe da: in Summe habe ich 45 Min. Pause gemacht und war wieder „wie neu“. Naja… für solche Verhältnisse halt 😉. Und so ging’s übern Nockstein runter in die Stadt.

Salzburg ZIEL | 110 km

Oh Salzburg ❤ du Perle. Du hast mir nochmal Kraft gegeben und ich bin recht flott über den Kapuzinerberg ins Ziel gerauscht.

Time to say Thank you!

Ein solches Ding schafft man nicht allein. Da braucht man schon ein Team im Hintergrund, das einem Motivation schickt. In echt, gedanklich, per Whatsapp oder auf Instagram/Facebook.
Vielen lieben Dank auch für die vielen lieben Nachrichten vor, während und nach dem Lauf. Ihr könnt euch garnicht vorstellen wie viel Kraft das einem gibt :* Danke

Ein großer Dank geht an Gerald <3 und Max. Die beiden sind selbst an dem Tag 60 bzw. die 30km Strecke gelaufen und haben sich trotzdem die ganze Nacht Zeit genommen um auf mich an Labstation zu warten.

4 Replies to “Bericht mozart 100 2019 | mein erster 100km+ Lauf”

  1. Bravo Birgit! Hut ab vor der Leistung 🙂 du bist echt ein Wahnsinnsmädel. LG aus Kärnten und erholf dich noch gut

  2. Ein toller Bericht über deinen ersten ü100 Ultra, deine Ernährung erinnert mich sehr an mich 😉. Herzlichen Glückwunsch zu der tollen Leistung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.