Pitz Alpine Glacier Trail 2018*

Letztes Jahr gings mir ja auf dem P25 beim Pitz Alpine Glacier Trail weniger gut. Sowohl die Hitze als auch eine Fieberblase haben mich extrem in die Mangel genommen. Umso mehr hab ich mich auf dieses Jahr und eine Revanche gefreut. Voller Euphorie hab ich mich für den P42G angemeldet. Klingt kryptisch, ist aber ein wahnsinnig schöner Trail:

  • 45 Kilometer
  • 2.500 Höhenmeter
  • Gletscher Überquerung
  • tolle Panorama-Blicke
Quelle: https://www.pitz-alpine.at/de/rennen/p42/

Vorbereitungen

Körperlich hab ich mich auf den Pitz Alpine Glacier Trail eigentlich gar nicht speziell vorbereitet (was ich aber tun hätte sollten, aber dazu später mehr).

Zum ersten Mal seit ich laufe, schaue ich mir dieses Jahr die Streckenpläne und Höhenprofile genauer an. Vorteil: Ich weiß endlich auf was ich mich einlassen und kann mich vorab freuen bzw. mich vor gewissen Stellen fürchten. So war’s dieses Mal der erste harte Anstieg auf den Mittagskogel, der mir gut zu denken gab. Über 1.000 Höhenmeter auf minimalster Strecke. Nicht zu vergessen die technisch anspruchsvolle Scharte oben. Aber all das soll ja mit einer traumhaften Gletscherquerung belohnt werden.

Die restliche Strecke des PAGT sollte ich ja schon vom letzten Jahr – gefühlt war das damals heiß und lang.

Ausrüstung:

Neben den Standard-Equipment, also Trailschuhe, Trinkrucksack und Regenkleidung, mussten wir auch Snow Chainsen für die Gletscherquerung mitführen. Mein Rucksack fühlt sich ziemlich schwer ab, aber gut. Was muss, das muss.

Das Rennen

Wir haben uns in eine ganz schnuckelige Pension etwa 10 Fahrminuten vom Start entfernt eingemietet. Das Tolle war, dass uns die Vermieterin extra am Vorabend ein Frühstück hergerichtet hat, damit wir um 4:00 vorm Start auch noch was im Magen haben. Diesen Luxus gab’s nicht mal im Athleten-Hotel 😉

Bei der Startnummern-Ausgabe wurde zum ersten Mal schon das Pflicht-Equipment kontrolliert. Klar könnte man jetzt danach einfach Teile davon aus dem Rucksack geben, aber wer tut das schon?! Natürlich ist das ein extra Aufwand und einige haben gemurrt, aber ich find‘s ok. Immerhin geht’s um die Sicherheit und der Veranstalter trägt natürlich auch eine gewisse Verantwortung.

Und es geht looooos

Auch kurz vorm Start wurde nochmal ein Blick in alle Rucksäcke geworfen und um 5:00 machte es dann BUM. Gerald und ich rannte los. Der Plan war gemeinsam zu laufen, da wir den UTMR ja auch gemeinsam zurücklegen möchten.

Also, BUM und ich renne los. Mit dem Höhenprofil im Hinterkopf weiß ich, dass ich jetzt Meter machen muss. Auf dem Anstieg auf den Mittagskogel rauf gibt’s wenig Überholmöglichkeiten und ich will mich nicht hier schon ausbremsten lassen.

Ich renn was das Zeug – um die Uhrzeit – hält und finde mich vorm Anstieg in einer gut passenden Position. Die Herrschaften vor mit ziehen gut los und ich häng mich wie eine Klette an sie dran.  Es ist schon stark, aber ich kann das Tempo ziemlich gut mithalten und stampfe wie eine Dampflok nach oben.

Nach rund 900 hm stört mich meine Stirnlampe so, dass ich stehenbleibe und Gerald bitte das Ding in meinen Rucksack zu verstauen. Und da überholt mich eine Dame, die sich dann über den 2. Platz freuen darf. Ein bissl ärgere ich mich schon, immerhin hab ich bis hier sehr gut gekämpft, aber ich weiß ja in dem Moment nicht, dass ich so weit vorn mitgelaufen bin.

Wir stampfen fröhlich weiter rauf, kraxeln auf allen Vieren über die Mittagskogel-Scharte auf den höchsten Punkt des Rennens. Über 3000 Meter über dem Meer färbt sich der Himmel auch schon langsam rosérot. Viele bleiben stehen um ein Selfie zu machen, aber ich unterdrücke die Insta-Bitch in mir und renne weiter. Der Gletscher und vorher eine Labstation rufen ganz laut nach mir.

Während eines Rennens ernähre ich mich als hätte ich eine Magen-Darm Grippe: Cola und Salzstangerl <3 aber  damit fühle ich mich am besten und mein Körper ist das Zucker-Salz-Sprudel Programm schon gewöhnt.

Also, schnell noch ein Schluckerl Cola rein geleert und eine handvoll Salzbrezerl in den Rucksack und weiter geht’s.

Für mich das absolute Highlight dieses Rennens: die Gletscherquerung!

Normalerweise begegne ich einem Gletscher mit höchstem Respekt, Steigeisen und einem Pickel. Dieses Mal müssen Respekt und Grödel, also Schneeketten für die Schuhe, reichen. Gesichert durch die Bergretter renne ich also wie eine Henne auf Highheels über das ewige Eis.

(c) by Philipp Reiter

Leider ein eher kurzer Spaß, dafür wird mir die Minute wohl noch lange im Kopf bleiben. Eis, Sonnenaufgang und der leichte Geschmack von Metall im Mund. Ich dürfte wohl etwas zu flott den letzten Downhill gelaufen sein.

Weiter geht’s zur Braunschweigerhütte und runter nach Mandarfen. Downhills sind ja nicht meine Stärke, zu groß ist die Angst im Kopf, dass ich fallen, umknöcheln oder gar mir das Haxerl brechen könnte. Nichtsdestotrotz arbeiten wir uns fleißig weiter runter. Und dann passiert es: Au! Aber nicht bei mir, sondern beim Gerald. Umgeknickt. Humpelnd. Das Gesicht verzogen. Er meint, das wird schon. Ich solle laufen – schnell! Ok, wenn er meint. Ich laufe durch den Start/Zielbereich und schnappe mir wieder Cola und Salzbrezerl um meinen Körper wieder aufzufüllen. Lange muss ich nicht warten, dann kommt auch Gerald angehumpelt.

Loop 2: Riffelsee

Männer halt! Er schickt mich vor auf den 2. Loop und rennt mir hinterher. Bergauf geht sein Sprunggelenk ganz gut, nur nicht schief aufsteigen. Naja…ich hätte mit der Ausgangslage schon das Handtuch geworfen, aber er wollte unbedingt weiter. Oben auf der Sunna Alm angekommen nochmal das gleiche Spiel: Au! Aber dieses Mal hat er’s gecheckt und gibt auf. Natürlich kommt wieder das gleiche: Mädi, renn weiter! Du schaffst das.

Alleine weiter

Leider kämpfe ich in dem Moment schon massiv mit der Hitze. Die Sonne brennt mir auf’s Hirn und alles um mich herum wird so verdammt schnell (oder ich langsam?). Aber gut, ich schaff das schon. Ich laufe weiter. Ich muss weiterlaufen…. Das sage ich mir immer wieder vor.

Dass überdimensionale Blumenkränze nicht unbedingt die perfekte Kopfbedeckung für lange sportliche Einheiten ist, muss ich niemandem erklären. Sonst hätte ja jeder Depp die Stauden am Schädel. Nur ich Dummerchen schnall mir die Blüten wir eine Kuh beim Almauftrieb dran. Ein Kapperl, Hut oder Kopftuch wäre bei der Hitze wohl die bessere Wahl gewesen und so kämpfe ich mich mehr oder weniger gehend durch die pralle Sonne Richtung Taschachhaus.

Vorbei an echten Kühen, Schafen und glücklicherweise dann auch irgendwann einem Rinnsal. Gleich stecke ich meinen Kopf rein und siehe da, es wird besser. Die alte Birne war wohl zu heiß gelaufen. Leider hält die Erfrischung nicht lange an und plötzlich drehe ich mich immer wieder um. Ich höre Schritte und möchte einen Läufer hintermit vorbei lassen. Da ist aber niemand. Mein erster Gedanke: Bestimmt der triathlondog, der mich gleich wieder schimpft, weil ich gehen. Auweh, mein Kopferl hat’s nicht leicht mit mir. Kurzzeitig krame ich mein Handy raus, setze Warnung an Gerald ab:

Mädi kO. Viel zu heiß, keine Ahnung wie ich’s noch bis ins Ziel schaffen soll. Bin erst vorm Taschachhaus.

D

Kurz drauf hab ich schon die Nummer von der Bergrettung am Display, aber ich rufe nicht an, ich gehe weiter. Was soll schon passieren?!

Irgendwie hab ich’s dann doch bis zum Taschachhaus geschafft, kippe gefühlt 2 Liter Cola in meinen Schlund und düse weiter. Irgendwie ist das Ziel greifbar nahe, aber die 6 km bis dahin ziehen sich und die Forststraße macht echt keinen Spaß. Nein nein!

Zähne zusammenbeißen, ich wollte eine Zeit unter 10 Stunden, aber das geht sich nicht aus. Dann sollte es zumindest unter 10:30 bleiben. Zähne noch fester zusammenbeißen. Die nicht enden-wollende Forststraße hat dann doch ein Ende und der Zielbogen ist erreicht. Endlich!

Endlich im Ziel

Freudestrahlend sieht anders aus, aber ich bin heilfroh, dass ich’s bis ins Ziel geschafft und nicht aufgegeben habe. Und jetzt: Hunger, Durst, müde, pipi!


*Werbung, da mit der Startplatz kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde. Vielen Dank dafür an den Tourismusverband Pitztal.


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