Rennbericht | Bad Gastein Ultraks

Leichtsinn und eine Portion Mut

Motivation und die Freude am Laufen haben mich in den letzten Wochen hängen gelassen oder sagen wir’s mal so: Ich hab mich auf andere Dinge konzentriert und war öfter mal im Fitnessstudio. (klingt so gleich viel besser).

Also mehr Krafttraining und Wandern, dafür weniger laufen. Trotzdem hab ich mich (leichtsinnig wie immer) mal eben zu „Middle“-Distanz beim Bad Gastein Ultraks angemeldet. Das sind 30 km und über 2.000 hm. Klaro, das rennt man doch aus’m Stand oder?

Schnee beim Bad Gastein Ultraks?

Umso näher die Veranstaltung kam, umso größer wurden meine Zweifel. Als ich dann hörte, dass die Strecke aufgrund des Wetters entschärft wird, war ich schon direkt erleichtert.

Mein letzter längerer Lauf ist Monate her und dazwischen liegen Schiene, Reha und ein paar kürzere Läufchen. Außer dem Pitz Alpine Glacier Trail, der um ehrlich zu sein eine reine Katastrophe war, hab ich nicht annähernd eine solche Distanz in diesem Sommer absolviert. Aber ich wollte es mir, dem verdammten Haxerl und meinem Kopf beweisen. Ich kann das immer noch und so eine popelige Strecke wird mich nicht umbringen. Dass ich „a zache Henn‘ “ bin, hat mir schon mal wer gesagt und Zähne zusammenbeißen kann ich auch. Also, ab ins Gasteinertal!

 

in a nutshell: Gatschig war’s

Alles in allem war’s ein tolles Rennen und ich hab mir bewiesen, dass ich’s noch drauf hab. Tempo hin oder her, das ist reine Trainingssache. Aber wer 30km rennen kann, der kann auch 40 oder 50 oder noch mehr schaffen. Solange der Kopf mitspielt, ist alles möglich.

Die Strecke war erst recht steil, aber sehr gut machbar. Wegen des Wetters mussten wir leider viele Forststraßen laufen, was ok war, denn die Aussicht macht alles wieder gut.

Der Downhill am Ende war schon eine Sache für sich. Knietiefer Schlamm hat mir 2x fast den Schuh ausgezogen, stellenweise mussten wir uns Umwege suchen, da der eigentliche Weg unpassierbar war. Eine Challenge der besonderen Art sozusagen. Glücklicherweise machen mir solche Passagen Spaß und ich bin locker und relativ flott hinunter gekommen.

Wer vor dem Rennen das Höhenprofil studiert hätte 🙂 , der hätte gewusst, dass nach dem langen Downhill noch ein paar Höhenmeter warten. Ich wusste es nicht und hab meine Oberschenkel in der Schlammschlacht verbraten. Unten angekommen war ich nämlich nicht in Bad Gastein. Nein! Ich war erst in Böckstein und musste den „Böcksteiner Waldweg“ erst noch bis Bad Gastein laufen. Und der Forstweg hat locker noch einige hm parat. Jap. Toll. Das macht Freude! Zum Glück flitze die Siegerin der langen Distanz an mir vorbei und ich versuchte mich davon motivieren zu lassen. Ich war dann zwar nicht ganz so schnell wie sie, aber ich kam dann mit etwas mehr als 5 Stunden im Ziel an.

Beim Rennen hab mir alle typischen Fehler geleistet:

Zu warm angezogen

Wir sind um 5 Uhr morgens in Ohlsdorf losgefahren. Da wars eiskalt, dunkel und ich war müde. Klar dass ich mich dick einpacke. Die lange Hose war für die Verhältnisse ok, aber dann noch langes Shirt plus Jacke… tja, viiel zu dick aufgetragen. Wir waren noch nicht einmal aus dem Ortskern von Bad Gastein rausgelaufen, musste ich schon stehen bleiben und meine Jacke ausziehen. Das lange T-Shirt war gut und weils aus Merinowolle war, war’s nicht ganz so heiß, aber ich hätt’s in kurzem Leiberl auch ausgehalten.

Zu schnell losgelaufen

Jajajaa! Mein Kopf weiß, dass ich schon mal schneller war und hat einfach den Turbo eingelegt. Blöd nur, dass meine Haxerl da nicht nachgekommen sind und ich dann – zum Glück als Umziehpause getarnt – erst mal richtign durchschnaufen musste. Danach war ich schon ans hintere Ende der Gruppe gekommen und ich stampfte munter drauf los. Für meinen vorschnellen Start musste ich dann aber erst bei der ersten langen Steigung zahlen. Erst links und dann rechts: Krampf in den Waden. Bis vor kurzem hatte ich nie Probleme damit, aber momentan krampft’s leider immer öfter.

Stöcke daheim vergessen

Immer das gleiche mit mir… Daheim stehen sie gut, die Stöcke. Lehnen locker neben der Haustüre. Schön im Aufbewahrungstäschchen von Leki, damit sie ja nicht dreckig oder kaputt werden.

die Flinte ins Korn werfen

Auch ein typischer Birgit-Moment: Nach etwa 30 Minuten und dem ersten Krampf in der Wade rufe ich panisch meine bessere Hälfte an: „Mir geht’s sooo schlecht, ich glaub ich muss aufgeben….. mimimimimii…. alles kacke hier beim Bad Gastein Ultraks…. mimimimi“. Nach 5km kommt dann ein Downhill, die Beine werden wieder locker und schwupps … kam die 15km Marke schneller als gedacht. Wiedermal so richtig typisch. Wenn ich mit mir selbst nicht zufrieden bin, wird erstmal richtig schön eine Runde gejammert. Dann ist alles scheiße: Das Wasser schmeckt zu wässig, die Laufschuhe sind doch etwas zu weich/hart/neu/ausgelatscht und nicht zu vergessen das Gelände: zu steil, zu steinig, zu viele Forststraßen, zu alpin. Aber wenn dann mal alles aus mir rausgesprudelt ist, dann geht’s auch wieder weiter.

 

Zufrieden? JA!

5 Stunden und 6 Minuten ist jetzt keine Glanzleistung für diese Strecke, aber ich bin zufrieden mit mir. Im Mai noch mit Schiene und jetzt schon wieder auf den Trails unterwegs 🙂 Comeback stronger… hell yeah!

 

 

5 Replies to “Rennbericht | Bad Gastein Ultraks”

  1. Hi Birgit,

    boa ich kann mich gerade so gut in dich hineinversetzen. Mir ging es beim Glockner Trail nach meiner Verletzung genau gleich. Sehr cool, dass du dich durchgekämpft hast! Ich hoffe, du gibst deinen Körper genügend Zeit, sich wirklich zu erholen. Ich hab das nicht getan und kämpfe jetzt noch mit den Nachwirkungen.

    Liebe Grüße,

    Susi

    1. Hi Susi,

      Danke :* Ja, lange genug schonen ist echt schwierig für mich. So 30km+ Läufe sollte ich eigentlich noch garnicht machen, aber wenn’s doch so viel Spaß macht. Für den Herbst hab ich alle langen Läufe gestrichen und werd nur mehr beim Trailrunning Festival in Salzburg mitmachen.
      Außerdem probier ich’s nochmal mit Schwimmen als Alternativtraining – das Argument „gelenksschonenster Sport“ hat mich überzeugt (ich werd halt auch nicht jünger).
      LG – Birgit

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