Berg

Touristen-Wanderung in Courmayeur

Ich habe wohl schon zur Genüge herumgejammert, weil ich dieses Jahr meine großen Ziele absagen musste. Knie hin oder her, mittlerweile lässt es sich schon wieder recht gut laufen und natürlich auch bergsteigen. Trotzdem fand ich es bei unserem Urlaub in Courmayeur schon ziiiemlich schwer, kürzer zu treten. Bei der Umgebung auch nicht verwunderlich.

Zurück zum GranTrail Courmayeur

Im Winter habe ich den Entschluss gefasst, dass ich beim GranTrail Courmayeur mitzulaufen werde. 75 km und ein paar tausend Höhenmeter am Fuße des Mont Blanc, höchstwahrscheinlich mit Schneefeldern, harten Anstiegen und einer Aussicht, die zum Pause machen einlädt. Aus dem ist dann nichts geworden. Übrig blieb ein nicht-stornierbares Hotelzimmer und großer Frust im Bauch. Erst war ich nämlich so angepisst, dass ich nicht mitlaufen kann, dass ich ernsthaft garnicht hinfahren wollte (und damit das Zimmer verfallen lassen wollte).

Courmayeur im Aosta-Tal

Zum Glück hat mich dann doch wieder die Motivation gepackt und so sind wir mit Sack und Pack ins Aostatal gedüst – immerhin kann man dort viel mehr tun als nur Trailrunning. Angekommen im Hotel waren wir von der Atmosphäre des kleinen Berg-Dörfchens begeistert. Alles ist sehr erdig und ruhig. Überall sieht man Bergsteiger und Wanderer. Etwas komisch sind die vielen Skilifte und die riesigen Werbeplakate von Luxusmarken. Im Sommer hat man garnicht das Gefühl, dass Courmayeur so ein Nobel-Urlaubsort ist. Im Winter ist das hier ganz anders, haben wir uns erklären lassen.

Touristen-Wanderung ? Nein Danke, oder?

Wir tauschten Trailrunning-Schuhe in echte Bergschuhe um und machten uns auf Touri-Tour (fast). Eigentlich versuche ich Seilbahnen immer zu vermeiden. Das hat 2 Gründe:

a) Ich hab Höhenangst und wenn dann die Gondel hin und her schunkert, dann wird mir ganz mulmig im Bauch.

b) Der wohl viel wichtigere Grund: Mit den Gondeln kommen alle auf’n Berg. Auch die Flip Flop-Träger, die, die auf High-Heels schreiten und die, die mit der nigel-nagel-neuen hochalpin Ausrüstung in der Bergstation hocken, weil sie nicht wissen was sie damit anfangen sollte. Wie man’s macht, macht man’s eben falsch.

Aber manchmal steig auch ich in eine Gondel, besonders wenn meine Haxerl noch nicht ganz so fit sind. Daher haben wir uns für den SkyWay Monte Bianco entschieden. Die Gondel geht vom Tal hinauf bis auf über 3.500 hm. An der Mittelstation haben wir einen Zwischenstopp gemacht, sind ausgestiegen und haben die Gegend erkundet. Kaum ein anderer Fahrgast hat diese Chance wahrgenommen. Alle wollten nur weiter hinauf auf den Gletscher. Umso besser für uns 🙂

 

 

Und mit dieser wunderbaren Aussicht gingen die Wanderschritte super easy und auch mein Knie war gnädig und zwickte kaum 🙂 Einfach nur herrlich! Wir wanderten gerade aus und haben den Weg genossen. Und wir haben zwar keine Höhenmeter gemacht, also fast keine:

immer weiter, höher, länger… warum immer ultra?

Während ich diese Zeilen jetzt hier tippe, muss ich immer wieder daran denken wie wichtig Superlative für uns sind. Der höchste Berg von XY, der schwierigste Steig, der längste Trail. Alles muss ultra sein. Auch ein Mädchen reicht nicht, nein… ich muss ein ultramädchen sein. Schon manchmal komisch, wie sich alles verändert und wie schön aber dann so ganz normale, einfache Dinge sein können. Einfach dem Weg folgen, die Aussicht genießen und aus. Kein Schwierigkeitsgrad, kein Tempo und kein Stress.

 

Feels like Urlaub, oder?

Nach ein paar Mal extra tief durchschnauf’n und darüber nachdenken, warum man immer mehr und mehr will, wollten wir wirklich mehr und sind dann mit der Gondel ganz rauf gefahren. Rauf auf 3.500 hm ging’s und oben angekommen war Wirbel, FlipFlops, High Heels, Neo-Alpinisten und Gletscher.

 

 

Oben war’s zwar schön, sehr schön sogar, aber auch sehr laut. Bei den meisten war der Blick in’s Handy wichtiger als der Blick auf die Berge. Viele kamen von größeren Touren gerade an, erschöpft und müde, mit Sonnenbrand und dem Happy-Berg-Face. Da hat’s mich schon wieder ein bissl gewurmt, aber hey! Ich sitz hier oben am Gletscher auf 3.500 hm, kann mir diese Landschaft ansehen und mit meinem zwei Liebsten im Schnee spielen.

Manchmal muss es eben nicht die ultra-mega Tour sein, oft kann man auch aus einer Touristen-Tour einen wunderschönen Tag machen. 🙂

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