Rennbericht mozart 100 – scenic 100

Der mozart 100 startet mitten in meiner aller liebsten Lieblingsstadt, meiner Heimatstadt Salzburg. Das allein schon ist ein mega Argument daran teilzunehmen. Dafür wird man mit hügeligen Trails, wunderschönen Panorama-Blicken und unzähligen „ich-hol-nur-schnell-die Kamera-aus-dem Rucksack“-Momenten verwöhnt.

Scenic 100:

Ok ok… das Leben ist kein Ponyhof und der mozart 100 auch kein Nachmittagsspaziergang (auch wenn es erschreckender Weise viele Teilnehmer gibt, die aussehen als würden sie 100 km locker flockig zwischendurch laufen). Ja, und jetzt ist die Zahl auch schon gefallen. Über einhundert Kilometer, zwar durch die schönste aller schönen Landschaften, aber trotzdem 100 km. Manch einer fährt die Distanz in einer Woche mit dem Auto. Andere wieder, so wie ich eine bin, schaffen 100 km nichtmal mit einem Rennrad unter’m Hintern. Und dann bild ich mir ein, diese Distanz zu Fuß zu schaffen. Wie verrückt sich das für mich anfühlt, hab ich eh schon einige Male geschrieben.

So zusammenfassend in Zahlen: Das Ding wiegt gewaltige 103,2 km mit 2.945 hm und ich bin angemeldet – haha.

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Höhenprofil mozart 100 – Quelle: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=vwbtpvpoiogmysaq

Aber zurück auf Anfang…

Die Startunterlagen:

Bereits am Donnerstag vor dem Lauf kann man sich die Startunterlagen im Hervis Store in Salzburg abholen. Dafür war ein nicht zu übersehendes „Race Office“ mitten im Geschäft aufgebaut. Ziemlich praktisch, wie ich finde, denn das Geschäft ist in einem Einkaufszentrum mit ausreichend Parkplätzen und bietet Gelegenheit, die daheim vergessenen Dinge noch schnell zu besorgen.
Nachdem mir seit Montag bereits der Magen unmissverständlich mitteilt, dass er latent nervös ist und ich mich doch beruhigen solle, bin ich rechtzeitig Donnerstag mittags dort, um meine Unterlagen abzuholen. Oh Gott, mein Magen verknotet sich zu einem siebzigfachen Seemannsknoten, den nichtmal Mr. Norris aufkriegt.

Ich werde super freundlich begrüßt und mir wir die 17 als Startnummer in die Hand gedrückt. 17!!! Hä? Die niedrigen Nummern sind doch normalerweise für die Profis und nicht für so dahergelaufene Würschtl wie mich. Naja, nicht jammern, nicht nachfragen – einfach freundlich nicken und lächeln. Keiner merkt, dass dein Magen grad durchdreht. Nein Nein. Ok, also Startersackerl geschnappt, Startnummer rein. Ich werde auch noch über die neuen Regeln informiert. Alles paletti und ab nach Hause.

Der Inhalt des Startpakets ist auf das Wesentliche konzentriert. Kein Werbeschnickschnack und keine hunderttausend Zetteln, die dann sowieso wieder in der Tonne landen. Es ist nur eine Info zur Ultra Trail World Tour und die Einladung zum Wolfgangseelauf drinnen. Gut so!

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Startpaket – goodie bag mozart100: auf das Wesentliche konzentriert

Als Teilnehmer freut man sich natürlich auch immer, wenn praktische Dinge im Goodie-bag sind. Dieses Mal sind folgende Dinge drinnen:

  • Stiegl Stirnband
  • -20% Gutschein von Hervis  und ein Schlüsselband
  • Shaker von Generali
  • Widmer Sonnencreme

… und zum Glück keine Riegel oder Gels, die vertrag ich ja doch alle nicht gscheid. Bis Samstag 5:00 Uhr ist noch etwas Zeit um mich zu beruhigen, ausreichend Kalorien reinzufuttern und startklar zu werden.

Der Tag davor:

Was macht ein normaler Mensch am Tag vor einem Bewerb? Genau, er geht zum Racebriefing. Was mach ich? Ja, Zeit übersehen und stattdessen panisch die Streckenkarte und die FAQ durchforsten. Wahrscheinlich hätte ich mir eh nichts gemerkt, aber besser ist es schon, wenn man sich vor seinem ersten 100er das Racebriefing ganz genau anhört.

Und dann kommt die nächste Frage, vor der die meisten Frauen tagtäglich stehen: Was zieh ich an? Das Blumenkränzchen war eh klar und die Schuhe und der Rucksack auch. Aber welche Hose? Überhaupt eine Hose? Und passen dann die Kompressionsstrümpfe dazu? Im Endeffekt wurde es dann eine schwarz-pink-blaue Mischung aus Decathon und x-bionic:

  • Shirt, Rucksack und Rock von Decathlon
  • Strümpfe von x-bionic
  • Schuhe inov-8 Terraclaw 250
  • Polar V800
  • Blümchen aus’m Ramschladen

 

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vorher die Qual der Wahl und dann die Qual auf „the wall“

 

Der Lauf:

Die Nacht habe ich überraschend gut geschlafen, auch wenn der Wecker bereits um 3:33 Uhr läutet. Zum Glück liegt alles bereit, ich werfe mich in Schale und lass mich mit Sonnencreme ein. Schon sitze ich im Auto in Fahrt Richtung Residenzplatz. Ich bin erstaunlich ruhig und trink noch einen halben Liter Wasser. Besonders schön ist die liebe Begrüßung in Race Office, da wird zum ersten Mal mein Blumenkind-Outfit gleich honoriert.

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kurz vor dem Start im mozart 100 Raceoffice. Und ja, ich war ziiiiemlich müden – Quelle: www.facebook.com/mozart100Run

 

Um Punkt 5:00 Uhr geht’s dann los. Vorne die Top-Läufer und ganz hinten die Genuss- / Hobby-Läufer. Wenn ich das meinen Freunden so erzähle, dann lachen sie immer beim „Genuss-Läufer“… aber wie soll ich uns sonst nennen?
Es ist auf jeden Fall schon hell und wir werden mit einem extrem schönen Sonnenaufgang belohnt. Hätte ich da gewusst, dass ich das Rennen nicht zu Ende laufe, hätte ich mehr Bilder gemacht. Erst auf Kopfsteinpflaster und dann auf Aslphat geht es raus aus der Stadt und an der Salzach entlang nach Glasenbach. Von dort laufen wir leicht bergauf über Schotter und etwas Gatsch die Glasenbachklamm entlang. Rundherum sind Bäume und man hört das laute Rauschen des Baches, wildromantisch-schön.

Die erste Labstation kommt dann gleich nach der Klamm in Hinterwinkl und wir werden, wie bei allen Stationen, supernett begrüßt und verpfelgt. Ein paar Schlucke Iso, eine Banane und weitergeht’s. Und da kam er dann… DER Sonnenaufgang mit Nebelschwaden, Berg, Wiese und ganz klein ein paar Läufern vor mir. Auch wenn ich kein Asphalt-Läufer und auch kein Morgenmensch bin, aber das war wirklich das schönste Stück:

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magischer Nebel beim mozart 100

 

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Dafür steh ich gern um 3:33 Uhr auf. Zum Glück hab ich jetzt ein Foto davon und muss so schnell nicht mehr so bald aus dem Federn.

Mein Motto war: Ich hab bis 23 Uhr Zeit, das muss ausgenutzt werden 😉

Es geht ein Stück über Alsphat dahin und wir biegen dann auf einen Güterweg ein und weiter ging es über Forst- und Waldwege, teilweise sogar Singletrails bergauf und bergab. Allgemein sind keine technischen Passagen dabei und es geht meist gemäßigt rauf und runter.

Vor der Labstation Hof kommt dann „the climb“. Ein steiles, relativ langes Waldstück bergauf. Das Problem dabei ist, dass der Boden sehr nass und lehmig ist, weil es die Tage davor viel geregnet hat. Das ist meiner Meinung nach die einzige Passage, wo Trailschuhe dieses Jahr wirklich notwendig gewesen sind. Ansonsten kann die gesamte Strecke auch mit normalen Laufschuhen gelaufen werden.

Ich trabt also gemütlich bergauf und bergab, freute mich über schöne Ausblicke und irgendwann ist es in meinem Kopf leer. Ein Fussi vor das andere und so macht ich Meter für Meter meinen Weg. Mein Wurschti wartet gemeinsam mit Hund Lea in Hof bei der Labstation auf mich. Nach ein paar Schlucken und einem Stück Wassermelone geht’s auch schon weiter. Der Weg verläuft weiter über Wald und Wiesen, immer wieder rauf und runter. Ein wirklich wunderschöner Ausblick ist „the view“, wenn man den letzten Anstieg vor dem Fuschlsee absolviert hat und endlich freie Sicht auf den See bekommt. Von dortaus geht es dann hinunter zum See. Beim Scenic 55 und bei der 2. Runde des Scenic 100 läuft man um den Fuschlsee, die erste Runde kürzt ab und geht gleich wieder weiter nach Hof.

Die Strecke vom Fuschlsee bis zur 2. Labstation ist ziemlich flach und meist auf Asphalt oder Schotterstraße. Ausnahme ist der steile Anstieg kurz vor der 2. Labe Hof „the wall“:

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Startpaket – goodie bag mozart100: auf das Wesentliche konzentriert

Nach dem zweiten Mal in Hof, also am Heimweg der ersten Runde merkte ich, dass meine Schuhe immer weicher und weicher wurden. Ich began mit meinem linken Fuß leicht nach innen zu sinken und schön langsam zwickts. Mein linker Fuß ist der schwächere seit ich mir 2008 den Mittelfußknochen gebrochen habe. Daher beschließe ich 10 km vorm Residenzplatz das Wurschti anzurufen und andere Schuhe zu bestellen. Zum Glück ist meine Mama so sportlich. Sie holt die Schuhe aus meiner Wohnung, wirft sich aufs Rad und bringt sie in die Stadt.

Runde 1 fast geschafft! Ich „laufe“ die Stiegen auf den Kapuzinerberg und dann durch die Getreidegasse, verfluche alle Touristen und freue mich nur mehr auf meine anderen Schuhe. Die inov-8 sind mittlerweile weich wie Kaugummi und mein linker Fuß schmerzt schon richtig.
Haltung bewahren! Mit den neuen Schuhen wird’s bestimmt besser. Ganz bestimmt, rede ich mir ein. Ich massiere also mein linkes Haxerl und ab in die neuen Schuhe. Nebenbei bemerke ich, dass mich der Moderator super nett anmoderiert und ganz schön viel über mich weiß ;). Schade, dass ich in diesem Moment so abgelenkt war. Hätte ich gewusst, dass es dann nicht mehr wirklich weit geht, hätte ich das mehr genossen. Ich freue mich auf weitere 56 km und rechner immer noch damit irgendwann zwischen 22:00 und 23:00 Uhr wieder hier am Residenzplatz zu sein.

Gemeinsam mit einigen anderen Läufern verlasse ich das Start-/Ziel-Areal knapp vor der Cut-off time (12:30). Die anderen rennen los und ich komm nicht vom Fleck. Die Füße tun weh, mein Bauch kämpft mit dem letzten Stück Kuchen und ich gönn mir eine Gehpause. Und da habe ich dann bemerkt, dass die anderen Schuhe zwar fester sind, aber der Fuß schon „ausgeleihert“ ist. Einfach langsam laufen, die Schmerzen werden ab Kilometer 50 nicht mehr stärker – heißt es. Mittlerweile ist mein Kopf nicht mehr so schön leer und meine Gedanken kreisen um die vielen Erkältungen in den letzten Wochen, die Berge an Arbeit, die auf mich zuhause warten und und und… kein gutes Zeichen. Aber ich versuche gehend-laufend vorranzukommen. Vielleicht wird’s ja wieder besser? Wahrscheinlich. Mittlerweile bin ich schon ziemlich weit hinten, sehe meine Mitstreiter nicht mehr und bin immer noch auf dem Asphalt-Stück in Richtung Glasenbachklamm. Die Helfer an der Straße feuern mich an und geben mit Mut. Mir wird immer mulmiger im Bauch und ich fühl mich schön langsam alleine.

Ich biege also zum zweiten Mal in die Glasenbachklamm ein und der Wald „schluckt“ mich. Der Bach neben mir rascht, der Schatten kühlt und plötzlich geht’s mir wieder besser. Mein Plan hat sich schlagartig geändert: Durchkommen muss nicht sein, hauptsache Kilometer sammeln und Spaß haben. Kilometer 56 auf der Uhr, ab jetzt kommt Neuland auf mich zu. Weiter als 56km bin ich bisher noch nie gelaufen. Ich freue mich und trabe fröhlich vor mich hin. Mein Fuß tut zwar schon höllisch weh und sinkt immer wieder stark ein. Ich telefoniere noch mit dem Wurschti, dass er bitte schon zur Labstation Hinterwinkl kommen soll – ich brauch ein paar liebe Worte und ein Hunde-Bussi.

Und dann ist es passiert. Ein etwa kopfgroßer, runder Stein am Weg kommt mir in die Quere. Normalerweise ein leicher Gegner, aber der linke „dumme“ Fuß steigt drauf, rutscht und knickt nach innen um. Zack – aua – es brennt! Und dann war’s still in meinem Kopf. Ich weiß genau, dass nichts Schlimmes passiert ist, aber ich weiß auch, dass weiterlaufen jetzt keinen Sinn macht. Ich will auch andere Bewerbe diesen Sommer bestreiten und mich nicht auf Biegen und Brechen kaputt machen.

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da beim roten X bin ich umgeknickt – Quelle: flow.polar.com

Schön langsam schießen mir die Tränen in die Augen. Ich nehm also mein Handy und ruf noch einmal das Wurschti an, er solle mich doch abholen. Gleich drauf die SMS an’s Raceoffice, dass die Nummer 17 raus ist und an die Mama, dass ich Hunger habe. Jo, und dann war ich da irgendwo mitten in der Glasenbachklamm und hople mal zurück zum nächsten Parkplatz und warte auf’s abgeholt werden. Ich schau meine Facebook und Instagram Seiten an und sehe wie viele mir die Daumen gedrückt haben, wie viele Bussis und MotivationsSMS ich bekommen habe. Das war schon ein gutes Gefühl, aber damit schmeckt das DNF noch bitterer.

Was hätte ich noch vor mit gehabt?

Vor mir wäre noch einmal die gleiche Runde gestanden, nur dass ich dieses Mal um den Fuschlsee, also etwa 9 km weiter, laufen hätte müssen. Die Strecke um den Fuschlsee ist sehr flach und auf Schotter und Asphalt. In Fuschl wartet auf die Läufer eine weitere Labstation und ein großer Start-Bogen, denn dort starten die Scenic light Läufer. Leider hab ich’s bis dort nicht geschafft.

weitere Fotos, Fotos, Fotos…

Mein Wurschti hat immer wieder Bilder von Mitstreitern gemacht, während er auch mich gewartet hat. Hier geht’s zu den Bildern von ihm!

 

Zusammenfassend:

  • Keine Trailschuhe bei gutem Wetter nötig.
  • Wenig technische Passagen.
  • Top organisiert

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